BENEN-DIKEN-HOF®

Mitarbeiter im BENEN-DIKEN-HOF

Dariel Enrique Perez Aguilera . Jhrg. 1993
BENEN-DIKEN-HOF . Hotel
Auszubildender Hotelfachmann

November 2022

Dariel, Du bist Kubaner, aufgewachsen in Havanna. Wie kommt es, dass
Du hier im BENEN-DIKEN-HOF in Keitum auf Sylt eine Ausbildung zum Hotelfachmann machst?
 
Ich bin in diesem Jahr, im März 2022, direkt aus Havanna nach Sylt gekommen.
Geboren bin ich am 11.11.1990 in der Provinz Granma im Süd-Osten von Kuba.
Meine Eltern sind mit mir nach Havanna gezogen, da war ich erst 6 Monate alt.
Ich bin also ein 100%tiger Kubaner.

„Mein Name ist Dariel Aguilera. Ich komme aus Havanna auf Kuba
und mache hier im BENEN-DIKEN-HOF mmeine Ausbildung zum Hotelfachmann!

 

„Auf Kuba gibt es keine Zukunft. Ich bin bislang der Einzige in der Familie, der das Land verlassen hat. Meine Frau und unser Baby, meine Mutter und meinen Zwillingsbruder mit seiner Familie musste ich zurücklassen.“

 

Wie ich in den BENEN-DIKEN-HOF gekommen bin, das ist eine sehr besondere Geschichte mit einer zunächst ganz normalen Vorgeschichte. Ich bin in Havanna zur Schule gegangen, bis ich mein Abitur hatte. Dann folgte ein Jahr Militärdienst – jeder junge Mann auf Kuba muss mindestens ein Jahr Militärdienst leisten –, dann habe ich angefangen, Germanistik zu studieren. Warum? Ich hatte irgendwann in einer Zeitschrift über Deutschland gelesen und hatte den Eindruck, dass man dort gut arbeiten und leben kann – im Gegensatz zu Kuba. Ich wollte irgendwann nach Deutschland gehen und ich wollte Deutsch sprechen können. Das Studium habe ich allerdings nach 4 von 6 Semestern abgebrochen, da ich mithelfen musste, Geld für den Unterhalt der Familie zu verdienen. Dazu muss man wissen, dass das durchschnittliche Einkommen auf Kuba bei ca. 50,00 Euro im Monat liegt, dass die Grundnahrungsmittel aber 5-6 mal so viel kosten, wie hier in Deutschland. Gegenüber Kuba bzw. Havanna ist hier das reinste Schlaraffenland … wenn man sich das Angebot in den Supermärkten ansieht und dazu die Preise. In Havanna gibt es kaum Trinkwasser oder Milch zu kaufen, der Strom wird jeden Tag für 6 Stunden abgestellt, die Inflation Ende 2021 lag offizielle bei 77,3 %, unabhängige Ökonomen schätzen sie auf 300 – 500 %. Also habe ich in der Familie mitgeholfen, Geld zu verdienen. Aufgrund meiner guten Deutschkenntnisse konnte ich als Reiseführer für deutschsprachige Reisegruppen arbeiten und diesen die ganze Insel und alle kulturellen Highlights zeigen.

Ok … wieso bin ich jetzt hier: Bei einer dieser Touren habe ich 2017 eine Reisegruppe begleitet, die mit dem Fahrrad unterwegs war. Na ja … zwei Teilnehmer dieser Gruppe waren Frau Johannsen und ihre Tochter Riike. Wir haben uns gut verstanden – wir haben uns oft und lange unterhalten und ich hatte ihnen von meinen Leben auf Kuba erzählt – und als die Rundreise zu Ende war, hat mir Frau Johannsen angeboten, dass ich mich bei ihr melden solle, wenn ich irgendwann Hilfe bräuchte und hat mir ihre Visitenkarte gegeben.

5 Jahre später habe ich sie dann angerufen.

Und wie ging es weiter?

Ich hatte schon mehrere Ausreiseanträge gestellt, sie wurden alle abgelehnt. Aber dann erzählte mir ein Freund, er dürfe nach Deutschland ausreisen, da er dort einen Ausbildungsplatz erhalten habe. Das habe ich dann Frau Johannsen erzählt und sie hat mir sofort ebenfalls einen Ausbildungsplatz angeboten und zwei Wochen später hatte sie alle Papiere für mich zusammen und ich konnte erneut einen Antrag stellen. Und das hat dann geklappt. Johannsens haben alles für mich organisiert. Ich bin dann im Februar über Madrid nach Hamburg geflogen. Frau Johannsen hat mich gemeinsam mit ihrem Mann am Flughafen abgeholt und sie haben mich aufgenommen, als wenn ich zur Familie gehöre. Ich habe mich jedenfalls sofort zuhause gefühlt. Und sie hatten auch eine kleine, sehr schöne Wohnung für mich. In der Schule konnte ich schon Anfang März in das laufende Schuljahr einsteigen. Ich bin einfach nur dankbar, dass ich hier sein kann.

Wie war das für Dich? Kommst Du zurecht? Bekommst Du Unterstützung, damit Du den Einstieg schaffst?

Ja, das ist kein Problem! Wenn es notwendig wäre, würde ich sicher jede Unterstützung bekommen … brauche ich aber gar nicht. Ich habe ja immerhin schon studiert und Frau Johannsen hatte mir schon Unterlagen zum Unterricht geschickt und ich lerne, wann immer ich Zeit dafür habe. Denn ich will einen guten Abschluss machen und möglichst schnell fertig werden, um auch die Chance zu haben, mehr Geld zu verdienen. Alles, was ich an Geld übrig habe, schicke ich meiner Familie nach Havanna. Ich verdiene noch nicht viel, aber ich konnte einen zusätzlichen 450 Euro-Job im Service annehmen – bald bekomme ich 520 Euro – und für das Geld, das ich jeden Monat schicken kann, müssten sie auf Kuba mehrere Monate arbeiten.

Ach ja … zurück zur Schule. Im Oktober war die Zwischenprüfung. Ich habe eine 2 bekommen … die Arbeit hat sich also schon einmal gelohnt. Wenn es weiter so gut läuft, kann ich – gute Leistungen vorausgesetzt – die Ausbildungszeit von 3 auf 2,5 Jahre verkürzen. Und dann schon eher mehr Geld verdienen. Das ist mein Ziel. Und dass ich so gut bin, dass ich es auch verdiene, übernommen zu werden.

Das hört sich gut an! Bist Du glücklich hier, zufrieden mit Deiner Entscheidung?

Ja … auf jeden Fall! Manchmal bin ich aber auch nicht ganz so glücklich. Ich bin verheiratet und als ich Kuba verlassen habe, musste ich meine Frau und unser 3 Monate altes Baby zurücklassen. Das war und ist sehr hart für mich! Wir haben jeden Tag Kontakt per FaceTime, WhatsApp oder Skype und ich habe große Sehnsucht nach ihnen und bin an manchen Tagen schon auch traurig. Nach Deutschland nachkommen könnten sie erst dann, wenn wir nachweisen können, dass ich hier genügend Geld für ihren Unterhalt verdiene und eine entsprechend große Wohnung habe.

Dann wird es wohl noch ein paar Jahre dauern!?

Ja … vielleicht – wenn wir Glück haben – aber auch nicht! Johannsens haben für mich ein Schreiben aufgesetzt, in dem sie meiner Frau einen festen Arbeits-Platz anbieten. Sie könnte zunächst im Housekeeping anfangen und dann werden wir sehen. Vielleicht bekommen wir so die Ausreisegenehmigung schon früher. Das wäre wunderbar. Ich habe mich dazu entschlossen, Ende November zu einem Besuch nach Kuba zu fliegen, um mich persönlich dafür einzusetzen. Ich freue mich unglaublich. Der Flug kostet mich natürlich viel Geld, aber ich träume davon, die Beiden auf dem Rückflug gleich mitnehmen zu können.

Das wäre sehr schön! Vielleicht gibt es ja schon bald etwas zu feiern! Wollen wir noch ein wenig über Dein aktuelles Leben hier auf Sylt und im BENEN-DIKEN-HOF sprechen?

Was soll ich sagen? Die Ausbildung im BENEN-DIKEN-HOF macht mir großen Spaß. Unter den Mitarbeitern ist eine gute Stimmung, ich habe viele nette und hilfsbereite Kollegen. Wenn es geht, möchte ich auf jeden Fall einige Jahre hier bleiben – auf jeden Fall in Deutschland. Zurück nach Kuba möchte ich eher nicht. Das Land ist wunderschön, die Kultur und das Klima sind toll, aber es gibt keine Zukunft. Jeden Tag verlassen Tausende Kubaner das Land. Sie verkaufen alles, was sie haben und kaufen sich dafür ein Flugticket nach Südamerika … dorthin brauchen sie keine Ausreisegenehmigung … und sie versuchen über den Landweg in die USA zu kommen.

Im Augenblick bin ich am Abend im Restaurant-Service eingeteilt. Vorher war ich im Frühstücks-Service. Der Service abends ist total interessant … er begann für allerdings mich am ersten Tag mit einem »Kulturschock«: so viele Teller und Besteckteile für jeden Gast! Bei uns in Havanna gibt es nur einen Teller und einen Bestecksatz. Und dann diese tolle Auswahl wirklich guter Lebensmittel.

Im Februar 2023 beginnt dann der 3. Blockunterricht in der Berufsschule Niebüll, danach bin ich dann im Housekeeping und nach dem 4. Blockunterricht an der Rezeption.

„Der erste Abend im Restaurant-Service begann für mich mit einem »Kulturschock«! So viele Teller, so viel Besteck für jeden Gast!“

 

Was machst Du privat auf Sylt? Gibt es hier eine Kubaner-Gemeinschaft, der Du Dich anschließen könntest?

Das weiß ich ehrlich gesagt nicht. Ich konnte mich darum nicht kümmern, weil ich so viel arbeite. Jede freie Minute sitze ich vor meinen Büchern. Ich will es einfach schaffen und ich schaffe es! Ich bin völlig fokussiert auf meine Ausbildung, auf meine Zukunft und darauf, meine Familie nachzuholen. Fitnesstraining mache ich regelmäßig im milon-Zirkel des Hotels und ich fahre jeden Tag mit dem Fahrrad.

„Meine Leidenschaft sind Begegnungen mit Menschen aus aller Welt! Mein Ziel: Ich möchte irgendwann Direktor in einem guten Hotel sein!“

 

NACHTRAG 

Sylt . Keitum im Dezember 2022

Happy End im BENEN-DIKEN-HOF: Dariel konnte bei seiner Rückkehr nach Deutschland seine Frau und sein Kind  mitbringen – ein wunderbares Geschenk in der Vorweihnachtszeit. Die Behörden in Havanna hatten ein Einsehen und genehmigten die vorzeitige Ausreise der jungen Familie, die von allen Mitarbeitern im Hotel mit großer Freude empfangen wurde. 

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